In Berlin Mitte werden aktuell sogenannte Beacon-Technologie in einem Feldversuch erprobt. Nach einer 100-tägigen Testphase soll über den bundesweiten Einsatz entschieden werden. Beacons sind winzige Bluetooth-Sender, deren Signale mithilfe eines Smartphones im Umkreis von 30 Metern empfangen werden. Entsprechend programmierte Apps entschlüsseln den übertragenen Code und zeigen dem Nutzer auf seinem Smartphone zu dem Standort passende Push-Nachrichten an.

Sie können ihm zum Beispiel einen Rabattcoupon eines nahegelegenen Geschäfts anbieten oder ihn auf ein Sonderangebot hinweisen. Die Werbung kommt auf diesem Weg direkt zum potentiellen Kunden. Partner von Ströer und Bahn ist das Berliner Technologieunternehmen Sensorberg, das die Hard- und Software entwickelt hat.

Ob Beacons das nächste große Ding der Werbebranche oder ein Flop werden, ist umstritten. Der Erfolg steht und fällt mit der Bereitschaft der Verbraucher, Werbung auf ihren Geräten zuzulassen und damit auch den Eingriff in ihre Privatsphäre. Das ist nicht unproblematisch, denn Apps mit Beacon-Funktion können Geodaten ihrer Nutzer sammeln. Beacons funktionieren nur, wenn der Nutzer auf seinem Smartphone Bluetooth aktiviert hat und Beacon-fähigen Apps gestattet, Push-Benachrichtigungen zu empfangen und anzuzeigen. Ziel müsse deshalb sein, dem Verbraucher Mehrwerte zu liefern und seine Ängste zu überwinden, sagte Ströer-Geschäftsführer Christian von der Brincken. „Technisch ist viel möglich, aber der Verbraucher entscheidet über die Relevanz“, sagte Christian Schmalzl. Deshalb müsse die Beacon-Werbung „richtig gut“ sein. Um eine hohe Akzeptanz zu erreichen, hat der Werbedienstleister bei seiner Beacon-Initiative zunächst die Generation der „Digital Natives“ im Blick, also der jungen Generation, für die Smartphones zum täglichen Begleiter gehören und die wenig Probleme mit der Freigabe von Privatsphäre haben. Im Rahmen einer Studie wurden 45 Millionen Facebook-Check-ins analysiert, um das mobile Kommunikationsverhalten zu ergründen. Mobilität sei der Treibstoff, den Menschen bräuchten, um Geschichten zu erzählen. Diese Sorte Reisende soll mit den Beacons erreicht werden. Reisende sind tendenziell in Kommunikationslaune, wie Christian von der Brincken herausgefunden hat: „Das Kommunikationsverhalten von Menschen ändert sich auf Reisen. Neue Räume aktivieren Menschen“, sagte er.

Agenturen haben nun die Möglichkeiten erhalten, die neue Technologie bis Jahresende im Rahmen der Aktion „Open Playground“ auszuloten, die zunächst auf dem Beacon-Testfeld des Düsseldorfer Hauptbahnhofes stattfindet. Er wurde dazu mit insgesamt 100 Bluetooth-Sensoren ausgestattet. Jeder Interessierte kann dort bis zum Ende des Jahres kostenfrei eigene Kampagnen via Beacons testen und zukunftsfähige Lösungen erproben. Bei erfolgreichem Testverlauf werden dann Berlin und andere Metropolen-Bahnhöfe mit Beacons ausgestattet. Die neue Technologie ist nicht nur als Werbeträger interessant, sondern auch als Plattform für neue Dienstleistungen wie die Navigation in Innenräumen. So könnte ein Fahrgast der Bahn in der Zukunft per Beacon die Information aufs Mobiltelefon gesendet bekommen, wie er schnellstmöglich seinen Anschlusszug erreicht. Solche Anwendungen seien im Jahr 2015 denkbar, sagt Ulrich Klenke. Die Beacon-Technologie ermögliche eine interaktive Mischung aus Inhalten und Werbung, erläutert Christian Schmalzl.

Sensorberg beschäftigt sich seit der Gründung im Jahr 2013 mit der Beacon-Technologie. Der Gründer Alexander Oelling und sein Team haben eine Managementplattform entwickelt, die es Unternehmen ermöglicht, ihre Apps Beacon-fähig zu machen und die Inhalte zu steuern, die per Beacon-Impuls auf Smartphones angezeigt werden.

http://www.sensorberg.com/de/

Funkfeuer im Bahnhof

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