Platform.IO bietet dir ein Alternative zur Arduino IDE. Bei der Arbeit mit Mikrocontrollern wie z.B. dem Arduino / AVR, ESP8266 oder ARM verwenden viele von uns die Arduino Software IDE. Sie ist inbesondere für Einsteiger ideal und auch größere Projekte lassen sich – mit einem vertretbarem Aufwand – gut realisieren. Möchte man aber komplexe Projekte entwickeln, die potentiell auch mit anderen Entwicklern programmiert werden sollen, stößt die Arduino IDE schnell an Grenzen. Auch die mangelhafte Übersichtlichkeit nerven schnell.

Als Alternative bieten sich natürlich die nativen Entwicklungswerkzeuge der Chip-Hersteller an. Z.B. das Atmel Studio oder auch das plattformübergreifende Eclipse CDT Projekt stehen hier als wahre Monster zur Verfügung. Erschwerend kommt hinzu, dass die Toolchain für jeden Prozessor unterschiedlich ist. D.h. dass die gesamte Prozedur zum Compilieren, Linken, Packen und Hochladen von Plattform zu Plattform höchst unterschiedlich ist. Der Sprung von der einfachen IDE zu einer fetten und professionellen Umgebung ist demzufolge sehr groß, frustrierend und für viele kleinere Projekte nicht vertretbar.

Zusätzlich ist die Anzahl an Mikroprozessor-Plattformen stark gestiegen. Heute vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein neues Board das Licht der Welt erblickt. Mit ARM-Prozessoren, mit Bluethooth, viel Speicher, wenig Speicher usw.

Platform.io – das Schweizertaschenmesser für smarte Maker

Die IDE Platform.IO versucht, diese Probleme zu lösen. Zum einen basiert sie auf der leistungsfähigen und modernen Atom-IDE. Unzählige Plugins und Erweiterungen erleichtern die Arbeit mit dem Code. Verfügbar ist die IDE derzeit für Windows, Mac und Linux.

Platform.io IDE Übersicht

Das Kernkonzept in Platform.IO liegt in der Verwendung des selben Codes für mehrere Plattformen (z.B. AVR etc.) und Frameworks. Dabei wird Arduino als Framework behandelt. D.h., dass man die Bibliotheken von Arduino auch auf anderen Plattformen verwenden kann. Ob bestimmte Quellen überhaupt für ein Board verfügbar sind, weiß Platform.IO bereits.

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Wählt man nun für ein Projekt sein Board (im Bild der HUZZAH 8266 von Adafruit), führt die IDE im Hintergrund alle notwendigen Schritte zum Bereitstellen der Toolchain durch. Dabei kann auch Code für mehrere Board-Typen gleichzeitig erstellen. Gerade für Entwickler, die beispielsweise an portablen Anwendungen oder API’s arbeiten, ist dies ein unschlagbarer Vorteil. Die Menge an verfügbaren Boards ist immens und derzeit erschreckend aktuell.

Fertig! Das wars auch fast schon. Die Platform lädt automatisch im Hintergrund alle relevanten Bibliotheken, Compiler und alles was man für die Toolchain benötigt. In Anbetracht der vielen Möglichkeiten und Fallstricke ist dies ein sehr großer Vorteil. Wer schon einmal an der Kommandozeile auf Windows ein ESP8266 SDK zum Laufen bringen wollte, wird dies sehr zu schätzen wissen. Inbesondere wenn man – wie ich – in der Regel nur die Maus als Eingabe-Medium kennt.

In der zentralen Datei platformio.ini kann man nun noch den Upload-Port angeben werden. Die Dokumentation zu den einzelnen Einträgen ist gut und umfangreich. Ein einfaches Hello-World (oder Blink für die Arduino-Welt) ist mit Platform.IO in wenigen Minuten erledigt. Weitere Parameter für das Projekt werden hier zusätzlich definiert. Das bedeutet auch, dass bei der Weitergabe des Projekts an einen anderen Entwickler, dieser automatisch die gleiche Umgebung vorfindet. Die Plattform lädt einfach die notwendigen Komponenten nach.

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Fazit Platform.io

Die Arbeit mit dem Editor und Tools ist angenehm und nützliche Funktionen wie Code-Completion stehen zur Verfügung. Auch das derzeit moderne Weiß auf Schwarz läßt sich via Themes auf die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Ein besonderes Highlight stellt das Library-Management dar. Während in der Arduino-IDE Bibliotheken / Libraries manuell hinzugefügt werden, erfolgt dies unter Platform.IO über einen echten Library-Manager, der auch die Abhängikeiten auflöst. Gleichzeitig bietet die Online-Bibliothek eine schnell wachsende Anzahl an Libraries an. Zusätzlich erfolgt eine Kategorisierung nach der entsprechenden Platform. D.h., dass man direkt nach der passenden Bibliothek für das eigene Board / Framework suchen kann.

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Weitere Goodies kommen mit der Anbindung an SCM-Tools bzw. Continuous Integration Frameworks daher. Dem weiteren Besteigen der persönlichen Lernkurve steht also nichts mehr im Weg.

Derzeit ist die Platform.IO als freie Open Source Distribution verfügbar. Eine kommerzielle Version für Profis- bzw. Semiprofessionelle Entwickler schlägt mit derzeit ca. 8,50 EUR / Monat zu Buche. Im Vergleich zu anderen kommerziellen Angeboten ist dies mehr als angemessen, insbesondere weil ein IDE bereits sehr viele Boards abdeckt.

Kurzum: An der IDE liegt es nicht mehr, wenn das eigene Projekt nicht weiter kommt. Platform.io bietet dir eine mächtige Entwicklungsumgebung für kleines Geld. Wie ist deine Meinung zu Platform.io?

Was ist neu an Platform.io für Arduino Maker?

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